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Kühe mit Namen – aber ein kaputtes System?

Eine Kuh mit Namen klingt nach mehr Nähe zur Landwirtschaft. Doch die Geschichte hinter der «Wiesenmilch»-Vorgabe zeigt ein grösseres Problem: Immer mehr gut gemeinte Regeln schaffen Bürokratie statt echter Wirkung. Warum Symbolik oft wichtiger wird als praktische Lösungen – und was das für Produzierende, Konsumentinnen und das gesamte Lebensmittelsystem bedeutet.

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Kühe mit Namen – aber ein kaputtes System?

Es klingt zunächst nach einer charmanten Vorstellung: Jede Milchkuh trägt einen eigenen Namen. Nicht einfach eine Nummer am Halsband, sondern ein richtiger Name aus einem offiziellen Register. Eine kleine Geste, die Nähe und Wertschätzung vermitteln soll.

Doch wer die Realität auf einem Hof kennt, weiss: Zwischen sechzig oder siebzig Kühen, mit Lernenden und Angestellten, funktioniert der Alltag anders. Dort zählen Übersicht und Klarheit. Nummern dienen nicht der Distanz, sondern der praktischen Orientierung. Und dennoch verlangt ein Label wie «Wiesenmilch» genau diese Namenspflicht – unabhängig davon, ob sie in der Praxis Sinn ergibt.

Genau hier beginnt ein grösseres Problem, das weit über die Namensfrage und über Labels hinausgeht.

Wenn gute Absichten zu bürokratischen Lasten werden

Labels wollen sich am Markt abgrenzen und Produzierenden einen Mehrwert verschaffen. Dafür formulieren sie zusätzliche Anforderungen, die teilweise nichts mit der Qualität des Produktes oder der Wirkung auf Umwelt und Ressourcen zu tun haben. Die Namenspflicht für Milchkühe ist ein solches Beispiel: gut gemeint, aber ohne echten Einfluss auf Tierwohl oder Produktqualität. Was schlicht an der Realität in der Landwirtschaft vorbeischiesst, ist aber vor allem eines: ein gut vermarktbare Geschichte für den Endkonsumenten – meist aber mit weniger idealen Auswirkungen für die Landwirtschaft.

Vorgaben, die zunächst freiwillig und nur für Labelproduzenten Pflicht waren, wandern später in staatliche oder flächendeckende Programme. Der Staat oder die Branchenorganisation übernimmt Elemente solcher Label-Vorschriften und integriert sie in den ökologischen Leistungsnachweis oder in neue Punktesysteme. Aus einer sympathischen Idee wird ein Zwang. Für die Betriebe entstehen zusätzliche Arbeit, neue Kontrollen und eine weitere Regel, die eingehalten werden muss. Und aus dem Zwang entsteht Bürokratie, die niemandem nützt – auch den Kühen nicht.

Die Label und System Problematik

Die Geschichte des Milchkuhnamens zeigt beispielhaft, wie unser System funktioniert:

Ein Label erarbeitet eine Zusatzanforderung, um sich abzugrenzen. Später wird diese Idee vom Staat oder hier von Swissmilk übernommen, damit sie breiter Wirkung entfaltet. Ein Label muss wiederum neue Standards setzen, um sich erneut abzugrenzen und die Spirale nimmt ihren Lauf.

Produzierende verlieren einen weiteren Teil ihres ohnehin eng gewordenen Handlungsspielraums. Und Konsumentinnen und Konsumenten sehen am Ende ein romantisches Bild auf dem Frühstückstisch – ohne zu wissen, was diese Geschichte auf der Verpackung im Hintergrund wirklich ins Rollen bringt.

Die Namen für Kühe zeigen: damit wird kein Vertrauen geschaffen, sondern vor allem Aufwand. Und noch schlimmer: der Fokus verschiebt sich weg von den Themen, die tatsächlich relevant wären: funktionierende Böden, eine sinnvolle Ressourcennutzung, stabile Erträge, unabhängige Betriebe und eine Lebensmittelbranche, die nicht von Auflagen, sondern von Wissen und Verantwortung lebt.

Was wir aus dieser Geschichte lernen sollten

Die Kuhnamen-Anekdote mag auf den ersten Blick klein wirken, doch sie steht stellvertretend für eine grössere Entwicklung. Es wurde ein System geschaffen, das Symbolik belohnt, und praktische Wirkung in vielen Fällen vernachlässigt. Ein System, das Produzierende mit Kontrollen und Formularen beschäftigt, statt ihnen Raum für Entwicklung zu geben.

Was wir brauchen, ist nicht die nächste Vorschrift, sondern ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Landwirtschaft sinnvoll funktionieren kann. Dazu müssen Produzenten freigesetztsein – für langfristige Wirkung statt für kurze Tage die Vermarktung zu pushen.

Es ist Zeit, die Dinge wieder dorthin zu lenken, wo sie wirken. In die Höfe, in die Produktion, in die Zusammenarbeit entlang der Lebensmittelkette. Und dorthin, wo Entscheidungen wirklich entstehen – bei den Menschen, die Verantwortung tragen wollen. Vom Landwirt bis zum Konsumenten.  

Eine Kuh mit Namen verändert da wenig – so gut dies ursprünglich auch gedacht gewesen sein mag.

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